Separated cycle lane through a Northern European old-town street at golden hour, two or three commuters rolling past in mo...

Radwegzähler: die urbane Mobilitätskennzahl, die Städte zu wenig erfassen

3. Juni 202610 Min. Lesezeit

Die Messgröße, die Städte noch immer zu wenig erfassen

Die meisten Städte wissen auf das einzelne Fahrzeug genau, wie viele Autos eine Kreuzung pro Tag passieren. Induktionsschleifen im Asphalt protokollieren diesen Wert seit Jahrzehnten, und Verkehrsplaner bauen ihre Modelle darauf auf. Der Radverkehr wird selten mit derselben Strenge gezählt. Ein neuer Radstreifen eröffnet, am Tag der Einweihung werden Fotos gemacht, und ein Jahr später wird die Frage "hat ihn jemand benutzt?" mit einem Achselzucken und einer Handzählung an einem nassen Dienstag beantwortet. Diese Lücke zählt: Radinfrastruktur ist teuer in der Errichtung, im Stadtrat umstritten und leicht zu streichen, wenn niemand eine Zahl vorlegen kann. Ein Personenzähler, konfiguriert für einen Radweg, schließt die Lücke. Er sagt der Stadt fortlaufend und pro Stunde, wie viele Radfahrer*innen eine Strecke nutzen, wie sich dieser Wert über das Jahr verschiebt und was ein neues Stück Infrastruktur tatsächlich verändert hat.

Flache Vektorinfografik zum Vergleich der Fahrzeugzählung mit Induktionsschleifen und unterschätzter Nutzung von Radwegen

Mehrere europäische Länder machen das seit Jahren. Die Niederlande und Dänemark veröffentlichen nationale Radverkehrszählungen. Deutschland hat in vielen Bundesländern Radzählprogramme, und deutsche Städte stellen zunehmend Dashboards neben ihren Mobilitätsplänen bereit. Die Technik, um Räder gut zu zählen, existiert; die Frage für die meisten anderen Städte ist, welche Methode sie wählen, wo sie diese platzieren und was sie mit den Daten machen, wenn sie eintreffen.

Warum Radzählungen für Infrastrukturausgaben zählen

Eine Radzählung ist nicht nur eine schmückende Zahl für eine Pressemitteilung. Sie ist der Eingangswert, den drei Teams für ihre Arbeit brauchen.

Verkehrsplanung

Der Modal-Split, also der Anteil der Wege, die mit dem Rad statt mit dem Auto, dem öffentlichen Verkehr oder zu Fuß zurückgelegt werden, ist in jedem Mobilitätsplan eine Kennzahl mit Schlagzeilenwert. Ohne fortlaufende Radzählungen auf den Hauptachsen ist der Modal-Split eine Schätzung aus einer Haushaltsbefragung alle paar Jahre. Mit ihnen ist er ein gemessener Wert, der monatlich aktualisiert wird und tatsächlich abbildet, was sich verändert, wenn ein neuer Radstreifen, ein Knotenumbau oder eine Schulstraße kommt.

Begründung von Investitionsprojekten

Radstreifen konkurrieren mit Parkständen, Busspuren und Gehwegverbreiterungen um denselben Bordsteinraum. Stadträte, die über diese Projekte abstimmen, wollen Vorher-Nachher-Belege. Ein Zähler an einer Achse vor einem Umbau und derselbe Zähler danach geben dem Team eine ehrliche Antwort: Hat das neue Layout den Radverkehr auf dieser Strecke erhöht, um wie viel und an welchen Tagen. Ohne das wird jedes Projekt zu einer Diskussion aus Grundsätzen.

Wartung und Sicherheit

Zählungen lenken auch die Priorisierung der Wartung. Ein Weg, der zehntausend Radfahrer*innen pro Woche trägt, braucht Winterdienst und Belagsreparatur vor einem, der fünfhundert trägt. Nach einem Vorfall an einem Knoten geben stündliche Zählungen einen Nenner für das Risiko: wie viele Radfahrer*innen passieren die Stelle pro Stunde zur Tageszeit des Vorfalls. Das verschiebt die Frage von der Anekdote zur Rate.

Wie sich Radzählung von Fußgängerzählung unterscheidet

Auf dem Papier ist ein*e Radfahrer*in einfach eine weitere Person, die eine Linie kreuzt. In der Praxis ist die Messaufgabe deutlich anders als die Zählung von Menschen auf einem Gehweg oder durch eine Ladentür. Vier Eigenschaften verschieben sich.

Geschwindigkeit

Ein gehender Erwachsener passiert eine Zählzone mit etwa 1,3 Metern pro Sekunde. Eine*r Pendler*in auf einem flachen Radweg passiert sie mit rund vier bis sieben Metern pro Sekunde, bergab schneller. Das verändert die Anforderung an den Sensor. Die Bildwiederholrate muss hoch genug sein, dass ein*e schnelle*r Radfahrer*in in mehreren Aufnahmen erfasst wird und nie als einzelner mehrdeutiger Schatten. Ein Sensor, der für Fußgängertüren ausgelegt ist, ohne Prüfung seiner Abtastrate, unterzählt den Radverkehr bei Spitzenwerten, also genau dann, wenn der Radverkehr zählt.

Breite der Zählzone

Ein Ladeneingang ist meist ein bis zwei Meter breit. Ein zweispuriger Radweg ist drei bis vier Meter breit, ein Misch-Nutzungsweg kann breiter sein. Sensoren, die für schmale Türen montiert sind, decken diese Breiten nicht ab. Ein Radzähler muss die volle Wegbreite mit überlappenden Sichtfeldern abdecken, sonst übersieht er Radfahrer*innen, die am Rand vorbeifahren oder nebeneinander überholen. Der Installationsplan muss die Wegbreite berücksichtigen, bevor er irgendetwas anderes berücksichtigt.

Wettersensitivität

Radwege liegen im Freien, unter Regen, Schnee, direkter Sonne, niedrigem Winterlicht und dem gelegentlichen heruntergebrochenen Ast. Das Sensorgehäuse muss für diese Bedingungen klassifiziert sein; in der Praxis heißt das IP65 oder besser und ein Temperaturbereich, der das gesamte örtliche Klima abdeckt. Über das Gehäuse hinaus muss sich die Messmethode selbst durch das Wetter hindurch verhalten. Eine Methode, die vom Umgebungslicht abhängt, liest in der Dämmerung im Winter falsch. Eine Methode, die vom Wärmeunterschied abhängt, kämpft an einem heißen Tag, wenn Wegoberfläche und Fahrer*in eine ähnliche Temperatur haben. Time-of-Flight-Tiefensensorik ist gegen beides weitgehend unempfindlich, da sie ihre eigene infrarote Beleuchtung mitbringt und Geometrie direkt liest.

Verkehrsmittel-Trennung

Auf einem Misch-Nutzungsweg teilen sich Radfahrer*innen, Fußgänger*innen, Scooter-Fahrer*innen und Läufer*innen dieselbe Fläche. Eine reine Kreuzungszählung ist die Summe aus allen vieren, was selten die Zahl ist, die die Stadt will. Nützliche Radzählung trennt die Verkehrsmittel. Geometrie hilft hier: ein*e Radfahrer*in mit Fahrrad zusammen hat ein erkennbares Höhen- und Formprofil, das sich von einer Fußgängerin, einem Kind oder einer Scooter-Fahrerin unterscheidet. Ein Sensor, der Geometrie liest, lässt sich so konfigurieren, dass er Radfahrer*innen als Klasse zählt, nicht nur Objekte, und den Verkehrsmittelmix auf dem Weg berichtet. Diese Trennung macht aus einem Zähler ein echtes Mobilitätswerkzeug und nicht nur einen allgemeinen Bewegungsmelder.

Kamerafreie Optionen für Radwege

Radwege führen durch Wohnstraßen, Parks, Uferrouten und Stadtplätze. Eine Kamera-Anordnung auf einem Laternenmast an einem dieser Orte zieht Beschwerden auf sich, zu Recht. Anwohner*innen wollen nicht auf dem Arbeitsweg gefilmt werden, weil die Stadt eine Zahl möchte. Es gibt zwei Wege darum herum, und nur einer hält stand.

Vektorinfografik zeigt einen Personenzähler für Radwege, der den Fahrradverkehr überwacht und tägliche Besucherzahlen

Der erste Weg ist eine Kamera mit Verpixelung am Gerät oder per Nachbearbeitung. Das Material wird trotzdem erfasst, bevor es verändert wird, das Objektiv ist trotzdem auf Menschen gerichtet, und die rechtliche Lage hängt an Details, die ein*e Passant*in nicht sieht. Er zählt Radfahrer*innen, aber zu dem Preis einer sichtbaren Kamera und einer Datenschutzgeschichte, die jedes Mal erklärt werden muss, wenn jemand fragt.

Der zweite Weg ist, eine Methode zu wählen, die von Anfang an kein Bild aufnimmt. Time-of-Flight-Tiefensensorik passt dafür offensichtlich auf Radwege: Sie sendet Infrarotpulse aus, misst, wie lange sie für die Rückkehr brauchen, und baut eine Höhenkarte von allem auf, was darunter durchgeht, mit etwa dreißig Zentimetern Genauigkeit. Sie zählt jede*n Fahrer*in, die*der die Zone kreuzt, bei Tageslicht und nach Einbruch der Dunkelheit, im Regen und bei klarem Wetter. Sie erzeugt kein Bild, kein Gesicht und keine biometrischen Daten. Es gibt nichts, was später unkenntlich gemacht werden müsste, weil von Anfang an kein Bild einer Person aufgenommen wurde. Das ist ein deutlich kürzeres Gespräch mit einem*r Datenschutzbeauftragten und ein deutlich kürzeres Gespräch mit einem*r Anwohner*in, die*der fragt, warum auf dem Weg ein Sensor sitzt.

Einige Installationen verbinden die Radzählung vom Weg auch mit reichweitestärkeren Mobilitätssignalen, um Ausgangs- und Zielorte von Wegen in einer Stadt zu verstehen. Die Sensorik dafür ist auf der How-it-works-Seite im Detail beschrieben, und sie folgt derselben Regel wie der Wegzähler: keine Kamera, standardmäßig kein Identifikator erfasst.

Wie Ariadne in ein Radzählprogramm passt

Ariadne misst dies mit Hybrid Fusion, der patentierten kamerafreien Methode. Time-of-Flight-Tiefensensorik zählt an den Eingängen jeden Besucher und erfasst Geometrie statt Bilder, während die patentierte Signalerfassung die Bewegung im Innenraum verfolgt und die Signale erkennt, die ein Telefon aussendet, selbst im Flugmodus. Der Sensor streamt beide Datenströme an Ariadne, wo Hybrid Fusion sie zu einer Trajektorie pro Besuch zusammenführt und Zählwerte, Verweildauer und Wege berechnet. Die Datenströme tragen keine Identifikatoren: keine MAC-Adresse, keine Geräte-ID, keine biometrischen Daten, und es ist keine Kamera beteiligt. Identifikatoren werden nur gespeichert, wenn ein Besucher ausdrücklich zustimmt, was die Methode datenschutzfreundlich und außerhalb des biometrischen Bereichs hält.

Für eine Stadt, die Räder zählt, sind die praktischen Folgen konkret. Der Sensor auf einem Radweg liest Geometrie über Time-of-Flight-Tiefensensorik, mit Abtastrate und Sichtfeld konfiguriert für die höheren Geschwindigkeiten und breiteren Zonen, die der Radverkehr verlangt. Dieselbe Hardwarefamilie deckt Innenraum- und Außenraum-Einsätze im öffentlichen Raum ab, was Beschaffung und Wartung einfach hält, wenn eine Stadt mehr als ein Verkehrsmittel zählt. Die Datenströme tragen standardmäßig keine MAC-Adresse und keine Geräte-ID, sodass die Zählung eine Zählung ist und nicht ein verfolgter Weg, es sei denn, ein*e Fahrer*in stimmt einem Dienst zu, der mehr braucht. Die Hardwareoptionen finden sich im Ariadne-Sensorportfolio, und die Datenverarbeitung ist in der Datenschutzerklärung dargelegt.

Mehrere deutsche Städte arbeiten mit Ariadne an öffentlicher Raum-Messung dieser Art. Die Einsätze sind kamerafrei konzipiert und liefern dieselben fortlaufenden Zählwerte, die ein Verkehrsteam von einer Fahrzeugschleife erwarten würde, nur eben für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen, und ohne den Überwachungs-Fußabdruck, den eine Kamera der Straße aufzwingen würde.

Eine Beschaffungs-Checkliste für einen Radwegzähler

Wenn eine Stadt oder eine Verkehrsbehörde ein Radzählprogramm aufstellt, sind das die Fragen, die es lohnt, jedem Anbieter vor einem Pilotversuch schriftlich zu stellen.

  1. Deckt der Sensor die volle Breite des Weges ab? Bestätigen Sie, dass das Sichtfeld einen zweispurigen Weg oder einen Misch-Nutzungsweg von Rand zu Rand abdeckt, ohne Randverluste, bei der Montagehöhe, die der Standort erlaubt.
  2. Was ist die maximale gezählte Geschwindigkeit? Fragen Sie nach der höchsten Fahrgeschwindigkeit, bei der das System seine Genauigkeit hält. Eine Bildwiederholrate auf Fußgängerklasse reicht für bergab fahrenden Radverkehr nicht.
  3. Wie werden Radfahrer*innen von Fußgänger*innen und Scooter-Fahrer*innen getrennt? Auf jedem Misch-Nutzungsweg ist eine einzelne Kreuzungszählung der falsche Wert. Bestätigen Sie, dass das System den Verkehrsmittelmix berichtet, nicht nur eine Summe.
  4. Was passiert bei Regen, Schnee und schwachem Licht? Fragen Sie nach der Wetterklassifizierung des Gehäuses und nach dem Verhalten der Messmethode bei Dämmerung, Nacht und Niederschlag. Eine Methode mit eigener infraroter Beleuchtung wie Time-of-Flight hängt für das Zählen nicht vom Wetter ab.
  5. Steckt irgendwo am Weg eine Kamera? Wenn die Antwort Ja lautet, rechnen Sie damit, das Datenschutzgespräch jedes Jahr neu zu führen. Eine kamerafreie Methode räumt die Frage aus dem Weg.
  6. Wie exportieren die Daten in die vorhandenen Werkzeuge der Stadt? Verkehrsteams arbeiten bereits mit Fahrzeug- und Fußgängerdaten in ihren eigenen Systemen. Zählungen, die stündlich und täglich sauber in diese Werkzeuge exportieren, werden genutzt. Zählungen, die im Portal eines Anbieters feststecken, nicht.

FAQ

Nutzt ein Radwegzähler eine Kamera?

Nein. Ariadne zählt mit Hybrid Fusion: Time-of-Flight-Tiefensensorik plus patentierte Signalerfassung, nie mit Kameras. Time-of-Flight erfasst Geometrie statt Bilder, und die Signalerfassung erfasst standardmäßig keine MAC-Adresse, sodass die Messung ohne Video, ohne Gesichter und ohne biometrische Daten auskommt.

Kann ein Sensor sowohl Radfahrer*innen als auch Fußgänger*innen auf einem Misch-Nutzungsweg zählen?

Ja, wenn der Sensor Geometrie liest und nicht nur Bewegung. Ein Time-of-Flight-Tiefensensor sieht Höhe und Form dessen, was die Zone kreuzt, sodass das System eine*n Radfahrer*in mit Fahrrad getrennt von einem*r gehenden Erwachsenen, einem Kind oder einem*r Scooter-Fahrer*in klassifizieren kann. Der Weg berichtet einen Verkehrsmittelmix statt einer einzelnen Summe, was der Wert ist, den ein Verkehrsteam tatsächlich nutzen kann.

Wie genau ist ein kamerafreier Radzähler verglichen mit einer Handzählung?

Genau auf etwa dreißig Zentimeter auf die Position, mit konsistenten Zählwerten über Tag und Nacht und durch das Wetter. Handzählungen sind genau für die Stunde, in der sie gemacht werden, und dann hören sie auf. Der ehrliche Vergleich ist nicht die Genauigkeit in einem einzelnen Moment, sondern die Abdeckung über das Jahr: ein Sensor liefert achttausendsiebenhundertsechzig Stunden Zählung pro Jahr, eine Handzählung liefert eine Handvoll davon, und die Entscheidungen der Stadt gelten dem Jahr, nicht der Stunde.

Was ist mit dem Winter, wenn die Radverkehrsmengen sinken?

Bunte Infografik vergleicht Fahrzeug- und Fahrradzählungen mit Symbolen und Pfeilen zur Darstellung der Datenerfassung durch

Der Winter ist genau die Zeit, in der die fortlaufende Zählung ihr Geld verdient. Ein Rückgang der Radverkehrsmengen ist eine Information: Sie sagt der Stadt, wie wetterelastisch eine Strecke ist, welche Strecken durch kalte Monate Fahrerschaft halten und welche eine Räumpriorität brauchen, um Radfahrer*innen auf ihnen zu halten. Ohne fortlaufende Zählungen ist dieses Muster unsichtbar, bis jemand anekdotisch bemerkt, dass der Weg leer aussieht.

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